INTERVIEW MEXICO / by Dmitri Akerman

MILENIO DIGITAL 13.12.2013

Die Solistin der Wiener Staatsoper schildert ihre Auffassung der Rolle von Angelina, einer Frau aus dem Aschenputtel von Rossini, einem Stück, welches dem Zuschauer an diesem Wochenende im Stadttheater vorgestellt wird. Monterrey. Die italienische Aschenputtel-Version von Rossini, erzählt die Geschichte einer Frau, die ungeachtet aller Schwierigkeiten viel Humor und Geduld beweist, um auf diese Weise aus dem Schatten von Stiefmutter und Stiefschwestern zu treten und auf ihren Märchenprinzen zu treffen.

Deswegen legt die russische Mezzosopranistin und Solistin der Wiener Staatsoper Margarita Gritskova einen ganz besonderen Wert auf den Humor des Autors. Als Angelina aus der Aschenputtel-Oper, die heute um 20:00 Uhr und am Sonntag um 18:00 Uhr im Grossen Saal des Stadttheaters dargeboten wird, möchte sie den Humor mit Leben erfüllen.In dem Interview mit der lokalen Zeitung MILENIO erzählt die Sängerin von der Disziplin, welche sie aufbringen muss um in Form zu bleiben und berichtet von ihrem gemeinsamen Auftritt mit dem spanischen Tenor Jose Carreras, den sie im September letzten Jahres in Wien hatte.

Weitere Darsteller sind Javier Camarena in der Rolle des Don Ramiro, der Basssänger Stefano de Peppo als Baron von Montefiascone, der mexikanische Bariton Jose Seron schlüpft in die Rolle des Kammerdieners Dandini, die Rollen der Stiefschwestern und des Lehrers Aldior, übernehmen die aus der Region stammenden Sängerinnen und Sänger Yvonne Garza, Yvette Perez und Rosendo Flores. Regie Rafael Blaskes, Spielleitung Horacio Almada in Begleitung des Sinfonieorchesters der Nuevo León Universität. Als Produzent tritt das von Gerardo Gonzalez geleitete und dem mexikanischen Rat für Kultur und Kunst (Conarte), sowie dem Nationalen mexikanischen Rat für Kultur und Kunst (Conaculta) unterstützte Unternehmen Ópera de Nuevo León auf.

Auf die Frage, wie es ihr als Aschenputtel ergehe, hob die Sängerin die komische Seite der Rossini-Version hervor, und meinte, ihr fehle die übernatürliche magische Kraft aus dem Märchen.

«Diese Rolle ist gar nicht so einfach zu spielen, wie es beim ersten Hinsehen erscheinen mag, dem ist nicht so. Ich habe lange genug überlegt, wie ich die Angelina am besten interpretieren kann, und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass diese Rolle mit einer gehörigen Portion Humor dargeboten werden sollte. Ich glaube, dass diese Version von Rossini einzig und allein nur so dargeboten werden kann, wie sie auch vom Autor selbst interpretiert worden ist. Das Stück lebt von seinem Humor, die Musik klingt fröhlich und stimmungsvoll.Ungeachtet des Happy Ends sind auch viele von besonderer Kraft und Traurigkeit geprägte Auftritte mit dabei. Die Aufgabe der Darstellerin ist es, diese Tragik mit dem, das Stück prägenden Humor zu verknüpfen und diese Mischung dann dem Publikum zu vermitteln. Meine Angelina ist eine Frau, deren Blick immer nach vorn gerichtet bleibt. Ungeachtet aller Schwierigkeiten bleibt sie immer besonnen und hört auf ihr gutes Herz. Ich würde sogar behaupten, dass sie an ihrer Familie hängt. Sie ist kein mutloses Mädchen. Angelina hält an ihrer Hoffnung auf eine glückliche Familie fest, und es ist diese Hoffnung, die ihr über jedes Missgeschick hinweghilft. Angelina darf auf keinen Fall als Opfer bezeichnet werden».

- Manche Spielleiter dulden kaum eine Abweichung vom Text, andere setzen mehr auf die freie Interpretation einer Rolle. Wie war es bei Ihnen?

«Ich habe viel über die Interpretation meiner Rolle nachgedacht. Wenn du auf einer grossen Bühne stehst und das Publikum mitreissen willst, musst du deine Emotionen dem Geschehen anpassen, du musst sie hochkochen lassen. Dabei war mir Horacio Almada eine grosse Hilfe. Er wertete die Schlüsselszene der Oper aus und half mir die Gefühle daraus zu vertiefen. Ich hoffe, das Publikum findet Interesse an unserer gemeinsamen Arbeit».

- Sie sind nicht nur als Mezzosopranistin bekannt, sondern namen früher auch an Klavierwettbewerben teil. Wann fiel die Endgültige Entscheidung zugunsten einer Karriere als Opernsängerin?

«Ich habe immer schon gleich gerne Klavier gespielt und gesungen. Mit 14 begann ich mich zu fragen, was mir wohl mehr liegt, denn schon damals war mir klar, dass es enorm schwierig sein wird mit Singen und Klavierspielen gleichzeitig erfolgreich zu sein. Ich hatte mich entschieden, eine Klavierprüfung an der Musikschule abzulegen, wurde aber am Tag der Prüfung krank und konnte deswegen nicht erscheinen. Mit 16 kam ich aufs Konservatorium und fing mit meinem Gesangstudium an. Das Klavierspielen war mir dabei eine grosse Hilfe. Auch als Sängerin spiele ich immer noch Klavier und bin deswegen beim Proben nicht auf einen Klavierbegleiter angewiesen».

- Ausser Gesang, hat die Oper auch etwas von jeder anderen Kunstart. Was mögen Sie an der Oper am meisten?

«Genau das. Es ist das vielfältige und schwierige, die Möglichkeit jede Art von Kunst zu geniessen und dabei auch körperlich fit zu bleiben. Um auf der Bühne einen guten Eindruck machen zu können, müssen wir viel trainieren. Um seine Entwicklung voranzutreiben, muss ein Sänger gut auf seine Form achten. Aber am meisten fasziniert mich die Vermittlung von Emotionen an das Publikum. Diese Aufgabe ist umso wichtiger, da die Zuschauer den Wortlaut der gesungenen Arien oft gar nicht verstehen. Es geht hier nicht allein um eine schöne Stimme, sondern auch um das Vermitteln von Emotionen, von denen das Publikum ergriffen werden sollte».

- Bitte erzählen Sie von Ihrem gemeinsamen Auftritt mit Jose Carreras im September letzten Jahres in Wien.

«Zuerst brach ich in Tränen aus, denn ich traute mir nicht zu die Texte in Spanisch in nur einer Woche lernen zu können. Aber der Wunsch diesen Auftritt zu erleben war am Ende grösser als die Angst und ich hatte es in dieser kurzen Zeit tatsächlich geschafft die notwendigen Texte zu lernen. Jose Carreras ist ein wunderbarer und sehr offener Mensch. Ich glaube, seine Wohltätigkeitsarbeit hat jeden Respekt und ganz viel Begeisterung verdient».